NGV – Fahren mit Erdgas

persönliche Erfahrungen und Erkenntnise über das Fahren mit Erdgas/Biogas

Der Kanton Baselland auf Irrwegen

by Claude Nöthiger - August 23rd, 2013.
Filed under: Allgemein.

Es gibt einige Kantone die fördern alternative Fahrzeuge, andere tun dies nicht. Bald wird wohl einer dazu kommen der sie bis jetzt förderte und dann bestraft.

Der Kanton Baselland hat bis heute ein Gesetz für die Verkehrssteuer die über ein Dekret, also ein zusätzlicher Beschluss/Verordnung, alternative Fahrzeuge fördert, indem diesen unter bestimmten Bedingungen die Hälfte der Verkehrssteuer erlassen wird. Das funktioniert ganz gut, ist für den Staat aber nicht ertragsneutral und schön ist es auch nicht wenn solche Förderungen um das Gesetz herum organisiert werden müssen. Also beschloss das Parlament eine Revision des Gesetzes über die Verkehrsabgaben „in Auftrag“ zu geben, das auch gleich ein Bonus/Malus System integriert, welches „saubere“ Fahrzeuge belohnt und Dreckschleudern bestraft. So wurde die Zielsetzung für das neue Gesetz wie folgt formuliert:

Der Gesetzesrevision legte der Regierungsrat folgende Zielsetzungen zu Grunde:

• Bezüglich der Bemessungsgrundlagen:

− Setzen von Anreizen zur Wahl ökologischer Fahrzeuge
− Wissenschaftlich gut begründbarer Lösungsansatz
− Steuergerechtigkeit
− Nachvollziehbarkeit und Verständlichkeit beim Bürger
− Handhabbarkeit in der Umsetzung

Die Vorlage ist nun da und diese wurde in den Kommissionen besprochen, sogar Mitglieder der Grünen Partei finden dieses Gesetz „ein Schritt in die Richtige Richtung“. Es ist also davon auszugehen das dieses im Parlament angenommen wird. (Nachtrag Okt. 2013: Das BL Parlament hat das Gesetz in zweiter Lesung gutgeheissen, es wird also 2014 in Kraft treten, niemand hat dagegen opponiert).

Was wird dann passieren? Etwa folgendes wird passieren, viele Diesel-Fahrzeuge werden einen Bonus erhalten und alternative Antriebe (Gas, Strom usw.) werden ihr Mehrgewicht voll versteuern müssen, sind dann also teurer als die vergleichbaren Benzin- und Diesel-Fahrzeuge. Moment das kann nicht sein Diesel-Fahrzeuge werden gefördert, alternative Antriebe höher besteuert? Da muss mir, dem Schreiberling, ein Fehler unterlaufen sein.

Nein mir ist kein Fehler unterlaufen, ja gut etwas dramatisiert vielleicht, aber Grundsätzlich wird es genauso kommen. Das Bonus/Malus System stützt sich alleine auf den CO2 Ausstoss ab, während die Steuer an sich auf dem Gesamtgewicht des Fahrzeuges berechnet wird. Beides vom ökologischen Standpunkt aus gesehen eigentlich richtig, nur mit mehreren kleinen Haken. Ausser CO2 gibt es noch weitere Gifte im Abgas zum Beispiel NOx, besonders ein Problem bei Diesel Fahrzeugen ohne spezielle Vorrichtungen (AdBlue) dieses zu vernichten, von den Partikeln gar nicht zu sprechen. Es wird auch nicht berücksichtig woher das CO2 „kommt“, die Ressourcenschonung von Oel wird hier also nicht gewürdigt. Dieselaggregate haben zudem einen klaren Vorteil, sie sind effizienter im Vergleich zu Otto Motoren, so können diese auf sehr geringen CO2 Ausstoss getrimmt werden (meist erkauft mit erhöhtem NOx Ausstoss) und damit erreichen sie die Kriterien für den Bonus leichter als Benzin- oder Gas-Fahrzeuge. Somit wird nach dem neuen Gesetz auch ein BMW 320d Efficient Dynamics Edition mit 163PS den vollen Bonus erhalten.

Na gut ohne Bonus kann ich noch leben, die Förderung von alternativen Fahrzeugen muss meiner Meinung nach nicht über die Verkehrssteuer erfolgen, ich tanke dafür ja günstiger. Allerdings muss ich auch 120kg Mehrgewicht für die Gasausrüstung versteuern, also wird mein Zafira obwohl unbestritten ökologischer als ein Diesel Zafira in der Steuer teurer als dieser.

Ja gut aber das kann ein „Alternativer“ doch über den Bonus wieder wettmachen, wenn er denn besser im CO2 Ausstoss ist als sein Benzin Pendant. Ja könnte er, allerdings nur für vier Jahre, dann fällt der Bonus nämlich weg. Spätestens nach vier Jahren ist jeder alternative Antrieb teurer, als der vergleichbare Diesel- oder Benzinantrieb.

Ich möchte Ihnen an zwei Beispielen den Unsinn des neuen Gesetzes zeigen:

Den Smart for two gibt es als Elektro Variante und als Benziner (den Diesel gibt es nicht mehr). Beide würden den vollen Bonus von 300CHF erhalten. Der Elektro-Smart ist allerding 100kg schwerer und somit teurer in der Verkehrssteuer und das unabhängig vom Bonus/Malus System.

Nun mein Zafira Tourer CNG mit 150PS und einem CO2 Ausstoss von 116 (129) g/km im Vergleich mit dem Tourer mit dem neuen 1.6CDTI mit 136PS welcher auf 109 g/km kommt. Der Diesel erhält einen Bonus von 300CHF, mein Erdgaser dank der schweizerischen Einbeziehung des 10% Biogasanteiles in die CO2 Berechnung immerhin noch 150CHF (ohne diese, also mit 129g/km würde es nichts mehr geben). Also bin ich im Vergleich zum Diesel schon mal mit 150CHF im Hintertreffen. Nun kommen bei der Erdgasvariante noch ca. 100kg für das Mehrgewicht der Erdgasausrüstung dazu, die zusätzlich Versteuert werden müssen. In diesem Beispiel ist also klar der Diesel Gewinner und zwar von Anfang an.

Das Dieselfahrzeuge ökologisch sein sollen ist mir neu, aber offensichtlich ist die Baselbieter Regierung dieser Meinung. Das Gesetzt benachteiligt ganz klar alternative Antriebe und bevorzugt den Dieselantrieb und es spielt dabei keine Rolle ob der Antrieb in einem Kleinwagen oder einem grossen schweren SUV sitzt. Es geht dabei nicht um den absoluten Betrag, es ist ein kleiner Betrag um welcher die „Alternativen“ teurer wären, es geht um das Zeichen das mit diesem Gesetz und dessen ökologischen Anspruch gesetzt wird.

Ich habe versucht mit Briefen aufzuklären, habe die Gasindustrie gefragt ob sie da nichts tun wollen, aber scheinbar gelten hier andere Kriterien. Das unsinnige Gesetz wird wohl durchkommen und „ökologische Anreize“ zum Kauf von Dieselfahrzeugen geben.

3 Responses to Der Kanton Baselland auf Irrwegen

  1. Danke fuer den guten Bericht. Ich kann Ihnen nur zustimmen.
    Wir hatten Ende 2013 unseren Zafira cng 1.6 verkauft und im Dezember einen Occasion 1.4 Cng Touran gekauft. War schon immer unser Traum. Doch nun das böse Erwachen mit der Steuer. Keine 50% Rabatt mehr und muss wie Sie oben beschrieben haben noch einiges drauf zahlen wegen dem Gewicht. Das hole ich mit dem Erdgaspreis nicht raus. Daher kein Anreiz mehr. Binn zwar immer noch überzeugter Cng fahrer, doch ich werde mir beim kommenden Wechsel kaum noch einer zulegen. Da binn ich ja nur der doofe in Sachen Steuer. Kann man da nichts machen?.

  2. Gilliéron Daniel

    Besten Dank für Ihren guten Artikel. Sie treffen den Nagel genau auf den Kopf. Nun ist es leider so, dass der Kt. BL nicht der Einzige ist der die CNG-Fahrzeuge bestraft. Der Kt. Zürich besteuert ab dem 1.1.14 nach den genau gleichen (falschen) Kriterien. Was einem dabei besonders zu denken gibt, ist die Tatsache, dass sich weder Erdgas-Zürich noch die Importeure in irgend einer Form dazu geäussert haben. Es muss also angenommen werden, dass diese gar kein Interesse haben Erdgas resp. CNG-Fahrzeuge zu verkaufen. (Was wiederum die miserablen Eintauschpreise erklärt.) Machen Sie bitte weiter so, vielleicht kommen die Behörden eines Tages ja doch noch zur Vernunft.

  3. Danke für Ihre positiven Kommentare.
    Es ist mir klar das der Kanton Basellandschaft nicht der einzige mit solch „unbrauchbaren“ Verkehrssteuern für alternative Fahrzeuge ist. Es ärgerte mich hier einfach speziell, dass erstens ein ökologischer Ansatz zugrundegelegt wurde ohne das dieser umgesetzt wird und zweitens die ignoranz der Politiker und Gasindustrievertretern mit denen ich zu tun hatte. Es interessierte schlicht niemanden. Exemplarisch die Antwort des Fraktionspräsidenten der Grün Liberalen, man habe endlich einen Kompromis gefunden, er wisse das dieses Gesetz schlecht ist, aber Autofahren sei so oder so teuer da spiele diese Steuer auch keine Rolle. Man muss ihm allerdings zugutehalten, das er als einziger mit Nein stimmte (74Ja, 1Nein, 2Enthaltungen)

    Viele werden es erst mit der nächsten Steuerrechnung bemerken, was da für ein Unsinn verabschiedet wurde.

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