NGV – Fahren mit Erdgas

persönliche Erfahrungen und Erkenntnise über das Fahren mit Erdgas/Biogas

GREENFIELD ein Vorreiter im Erdgastanstellenbau am Ende? Sicht eines ehemaligen Angestellten

by Claude Nöthiger - August 10th, 2013.
Filed under: Allgemein.

Als Titel hätte ich auch wählen können, die Uneinsichtigkeit und Überheblichkeit des Managements aus Sicht eines Arbeiters. Natürlich fehlen mir gewisse Internas um wirklich alles beurteilen zu können, warum es so weit kam wie es heute gekommen ist. Aber nach fast 20Jahren bei Greenfield/Sulzer Burckhardt, diversen Investoren, diversen Umorganisationen und zuletzt vor AtlasCopco  pro Jahr einem neuen CEO, lassen sich auch so gewisse Rückschlüsse ziehen ohne alles genau im Detail zu wissen.

Im Jahr 1995 begann ich bei Sulzer Burckhardt für die Standardhochdruck Kompressoren in der Abteilung EMRS zu arbeiten. Ein Hauptgeschäft für diese Sparte waren die Erdgastankstellen und ich spezialisierte mich auf diese Form des Anlagenbaues bzw. deren Steuerung. Innerhalb des Sulzer Konzernes war vieles möglich, so wurden mit Millionen-Investitionen spezielle Ventile für die Zapfsäulen, Zapfsäulenrechner für die Steuerung der Betankung,  eine eigene sicherheitsgerichtete Steuerung oder ein ungeschmierter Kompressoren entwickelt. Grosses KnowHow war vorhanden über viele sehr spezielle Themen in diesem Geschäft, wie zum Beispiel das Lösen von Oel im Gasstrom, warum ein 3-Bank System besser ist als ein 2- oder 1-Banksystem wurde bis ins kleinste untersucht, wie sich der Fahrzeugtank während der Betankung verhält wurde untersucht, wie sind die Strömungen im System usw. Dieses KnowHow wurde auch von Zulieferern genutzt, indem sie Produkte direkt mir Sulzer Burckhardt zusammen entwickelten, so zum Beispiel Endress und Hauser ihren speziellen Massemesser für CNG, Multifunktionsblöcke der Firma Valevo etc.

Das Produkt Erdgastankstelle war zur Zeit von Sulzer Burckhardt nie rentabel, so wurde uns dies zumindest immer Kommuniziert. Als dann der Sulzer Konzern beschloss den Geschäftsbereich Sulzer Burckhardt zu schliessen/ zu verkaufen, stellte sich die Frage wie weiter mit dem Produkt Standardhochdruck-Kompressor und damit wie weiter mit den Erdgastankstellen? Man war überzeugt, dass dieses innovative Produkt EGT in Zukunft im Alleingang eine Chance hätte. Die Unrentabilität der vorhergehenden Jahre sei zu erklären mit zu hohen  Produktions- und Lagerkosten. Dies weil die kleinen Kompressoren genau die gleichen Kosten zu tragen hatten wie die millionenteuren Grosskompressoranlagen. Sicherlich war dies eine Erklärung aber mir war dies zu wenig. Nach einer heissen Diskussion mit dem damaligen Geschäftsleiter des Bereiches, in der ich meine Zweifel anbrachte das eine Greenfield die als Maschinenfabrik organisiert ist sicher nicht besser rentieren würde und meine Ideen allesamt ignoriert wurden, habe ich meinen Job gekündigt. Hätte ich gewusst was dann wirklich passieren würde, hätte ich mich von zwei weiteren Leuten in der Führung sicherlich nicht mehr überreden lassen doch zu bleiben.

Im November 2000 hatte ich dann aber trotz meiner Zweifel einen Arbeitsvertrag der Greenfield AG. Es hätte so gut werden können, Greenfield konnte die millionenschweren Entwicklungen einfach so übernehmen, war damit technologisch absolut top und der Konkurrenz um Jahre voraus. Aber es begann ein unsägliches Kapitel. Der erste Investor hatte Pläne die man aus der Ferne nur Grössenwahnsinnig nennen kann. Die Greenfield mietet sich in ein sündhaft teures Gebäude ein und baute sich eine Luxus Produktionsstätte, damit war vorgegeben was danach passieren musste. Die CEOs gaben sich die Klinken in die Hand, keiner schaffte es das Geschäft rentabel zu gestallten. Diverse Investoren verloren ihr Geld und zum Schluss war es ein Kaufmännischer CEO der nur die Kosten reduzierte ohne Rücksicht auf das Geschäft und nur den Verkauf der Greenfield vorantreiben sollte. Schlussendlich konnte das was noch übrig war an die AtlasCopco verkauft werden. Nun war wenigstens wieder Geld vorhanden, das Geschäft schien gerettet.

In der Zeit vor AtlasCopco hatten wir diverse CEOs, allesamt mit gutem Leistungsausweis. Sie kamen in die Greenfield die wirklich immer am Abgrund stand und machten was? Sie machten nichts! Nein schlimmer, gewisse gaben sogar noch mehr Geld aus um Japaner FirstClass einzufliegen die schon Porsche umorganisiert hatten und diese sollten auch Greenfield umorganisieren. Na ja das machten sie auch, sie machten aus der unrentablen kleinen mittelständigen Maschinenfabrik eine noch unrentablere kleine mittelständige Maschinenfabrik, die nach dem Muster der grossen rentablen Porschefabrik Kompressoren bauen sollte.

Na ja alles Vergangenheit, jetzt war Greenfield in der Champions League angekommen wie der Verkauf an AtlasCopco kommuniziert wurde. Was hat AtlasCopco geändert um rentabel zu werden? Ich will es ihnen nicht verschweigen, nichts. Greenfield versuchte weiterhin als Maschinenfabrik Anlagen zu bauen. Selbstverständlich wurden die Teams zum gefühlten 100 mal neu zusammengestellt, aber Grundsätzliches wurde nicht geändert. Man war immer noch in der viel zu grossen und zu teuren Werkhalle, man Produzierte nach wie vor in den gleichen Strukturen. Man hat sogar rentable Teile geschlossen, wie den internen Schaltanlagenbau, da dieser nicht zum Kerngeschäft gehöre und Schränke auch extern eingekauft werden können. Mir wurde die fachliche Kompetenz abgesprochen solche Entscheide zu kritisieren, als ich sagte dies sei ein Fehler. So war ich es längst leid darauf hinzuweisen das es ja die 20 CEOs vorher so schon nicht geschafft hatten. Auf die Frage warum es ohne irgendwelche grundlegenden Änderungen nun besser werden soll, erwartete ich keine vernünftige Antwort mehr.

Vor ein paar Jahren hat nun AtlasCopco grundlegend etwas geändert, nicht etwa umgestellt auf einen Anlagenbau, nein man hat die komplette Produktion in ein französisches Werk verschoben, die als Maschinenfabrik Kompressoren bauen. Ich kürze hier ab, die Französischen Kollegen sind sicherlich nicht schlecht, aber Anlagen bauen können auch sie nicht innerhalb einer Maschinenfabrik. Die Kompressoren die im Vergleich zu den in der Schweiz gefertigten 30% günstiger werden sollten wurden teurer und  die Qualität der Kompressoren nahm im gleichen Masse ab.

Heute hat AtlasCopco das meiste KnowHow verloren, die Leute sind abgewandert. Das hätte nicht sein müssen, aber wer hört schon auf kleine Angestellte. Mir wird sicherlich auch hier die fachliche Kompetenz abgesprochen, dann möchte ich einfach eines wissen, wie können die Fachlich kompetenten Personen genau gleich weitermachen wie die kompetente Person zuvor, welche schon versagt hat?

Ganz entschieden ist es zwar noch nicht, aber die Zeichen deuten deutlich darauf hin, Greenfield Erdgastankstellen dürften Geschichte sein. Man nennt dies wohl auch Marktbereinigung, nun müssen die Konkurrenten zeigen was sie können und die Technik vorwärts bringen.

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